|
1. Was versteht man unter Ausbildung des Hundes?
Zur Ausbildung auf dem Hundeplatz gehört die
Begleithundarbeit, Fährtenarbeit, die Unterordnung, der Schutzdienst und ggf. der Rettungsdienst. Die dafür erforderlichen Fähigkeiten und Kommandos, die in der PO festgelegt sind, müssen dem Hund während seiner
Ausbildung gezielt beigebracht werden.
2. Was bringt der Hund von Natur aus mit?
Der Hund bringt von Natur aus seine Anhänglichkeit und Treue zu seinem Hundeführer mit, sowie Anpassungsfähigkeit und guten Willen. Die
Bereitschaft des Hundes zur Zusammenarbeit mit dem Menschen nimmt mit zunehmendem Vertrauen des Hundes zum Führer zu.
3. Lernfähigkeit des Hundes Da der Hund nicht logisch denken kann und keine Einsicht in sein Tun hat, kann er nur durch dauernde Übung Erlerntes behalten. Ein Hund mit starken Trieben
braucht längere Zeit zum Erlernen einer Leistung, falls die verlangte Leistung nicht mit seinen Trieben übereinstimmt, als ein Hund mit schwachen Trieben. Beherrscht ein Hund eine Übung nicht mehr richtig, muss
man unbedingt wieder von Anfang an beginnen.
Nur dauernde Übung, sinnvoll geplant und vom
Hundeführer gut durchdacht, befähigt den Hund zu guten Leistungen!
Man sollte sich immer, trotz unserer innigen Verbundenheit zu unserem Hund, darüber im Klaren sein, dass der Hund kein Mensch ist und logisches
Denken und Handeln nicht beherrscht. Er sollte nach „Hundeart“ behandelt werden und auch danach lernen dürfen!
4. Kontakt zwischen Hundeführer und Hund
Man sieht immer wieder Hundeführer und Hunde, die auf dem Platz keine Einheit darstellen. Es laufen dort dann zwei Individuen (Mensch und
Hund), von denen anscheinend der eine vom anderen nichts wissen will. Der Hund folgt nur, weil ihm im Vorfeld deutlich gemacht wurde, wer der Herr in der Meutegemeinschaft ist. Es gibt verschiedene Möglichkeiten,
um mit seinem Hund einen guten Kontakt zu bekommen. Am Besten ist es, den Hund bereits als Welpen innerhalb der Prägungsphasen an den Menschen allgemein und speziell an seinen Hundeführer zu gewöhnen. Ist dies
nicht möglich, z. B. durch Kauf eines erwachsenen Hundes, kann der beste Erfolg mit Futter (Leckerchen) erzielt werden. Die zweckmäßigste Art der Umgewöhnung eines Hundes an seinen neuen Hundeführer besteht in der
systematischen Fütterung durch diesen. Bei der ständigen Wiederholung wird sich der normal veranlagte Hund relativ schnell seinem neuen Partner vertrauensvoll nähern. Es gibt natürlich auch Ausnahmen von der Regel.
Neben dem Futter festigt auch die tägliche Haarpflege, der Spaziergang und besonders das tägliche Spielen, Herumtoben und Streicheln etc. den Kontakt zwischen Hund und Mensch. Selbstverständlich gibt es auch
Hunde, die sich nicht so schnell an den Menschen binden. Unbekannten Hunden sollte man vorsichtig, aber ruhig und sicher gegenüber treten. Hunde mit Abwehrreaktionen werden sich langsamer an den neuen
Hundeführer gewöhnen – ist ein guter Kontakt aber erst einmal hergestellt, erweisen sich diese Tiere später meistens als sehr anhänglich.
Vor der Ausbildung des Hundes muss ein guter
Kontakt zwischen Hundeführer und Hund bestehen!
5. Der Hundeführer aus dem Blickwinkel des Hundes
Der Hundeführer ist für den Hund ein Teil seiner Umwelt, die er mit seinen verschiedenen Sinnesorganen aufnimmt. Zu dieser Umwelt
gehören selbstverständlich auch z. B. Wildspuren, Geräusche etc., die den Hund während der Ausbildung stark ablenken können. Für eine gute Ausbildung ist es daher unumgänglich, dass der Hundeführer als Hauptreizerreger für den Hund auftritt, d. h. die Reize, die vom Hundeführer auf den Hund einwirken, müssen am stärksten von allen anderen sein!
Wie schwer so etwas ist, erkennt der Hundeführer, wenn er mit seinem Hund Übungen zu Unterordnung macht, während ein anderer Hund im Schutzdienst arbeitet. Reagiert ein Hund nur teilweise oder überhaupt nicht
auf seinen Hundeführer, so muss noch stärker auf ihn eingewirkt werden. Die Ursache liegt meistens darin, dass andere Reize durch ihre Intensität stärker waren als die Reize des Hundeführers, so dass die Reaktionen
darauf abklingen. Jeder Hundeführer sollte sich darüber im Klaren sein, dass sein Hund ein äußerst guter Beobachter ist. Deshalb können auch unbewusste Handlungen des Menschen zu Signalen für den Hund werden, die
ihn zum Handeln auffordern.
Der Hund nimmt den Menschen in seiner Größe, Kleidung, Stimme, Mimik sowie durch seinen Geruch und seine Bewegungen wahr. Alle diese
Eigenschaften existieren für den Hund nicht isoliert, sondern sind für ihn eng verbunden mit der Person des Hundesführers. An die speziellen Eigenschaften seines Hundeführers gewöhnt sich der Hund im Laufe der
Ausbildung und kann sie sehr schnell von den Eigenschaften anderer Personen unterscheiden. Bei der Unterordnung hat der Bewegungsablauf des Hundehalters eine besondere Bedeutung. Während der eine sich schnell
und der andere sich hastig bewegt, der dritte übereilt handelt und fahrig wirkt, erscheinen andere äußerst lässig und langsam. Auf alle diese typischen Bewegungen reagiert der Hund. Wer also einen freudigen und
schnellen Hund auf dem Übungsplatz haben will, darf nicht neben ihm herschleichen, wie eine Schnecke.
Der Hundeführer muss sich über das Temperament
des Hundes im Klaren sein, damit nicht zu stark oder zu schwach korrigiert wird.
6. Ausbildungstechniken Die Ausbildung wird unterteilt in
a) Unterlassungsausbildung
Bei der Unterlassungsausbildung werden natürliche Verhaltensweisen unterdrückt. Dem Hund wird ein Tun verleidet.
Beispiel: Für unsere Hunde ist das Jagen von Wild eine Lust. Soll der Jagdtrieb unterdrückt werden, so muss aus der Jagdlus ein Jagdleid werden. Dabei dürfen die in Frage kommenden Sinnesreize von dem Unan-
genehmen nicht zeitlich getrennt sein, sonst ist es nicht möglich, die gewünschte Verknüpfung herzustellen und der Hund lernt etwas völlig Verkehrtes.
Würden z. B. bei einem Kind, das sich die Finger
verbrannt hat, die Schmerzen eintreten, wenn es die Arme um den Hals der Mutter Legt, so würde es die Mutter und nicht das Feuer fürchten lernen. Die Unannehmlichkeiten können allerdings auch von den
Dingen selbst ausgehen, sie müssen nicht vom Ausbilder ausgehen (z. B. mit Senf bestrichenes Fleisch).
b) Tätigkeitsausbildung
Die Tätigkeitsausbildung wird mit einem äußeren Zwang verbunden. Der Hund wird zu einem nicht natürlichen und oft unangenehmen Verhalten
durch mechanische Einwirkungen, manchmal begleitet von Schmerz, angetrieben. Danach wird dem Hund das Tun verannehmlicht.
Beispiel: Zwangsapport – das Aufnehmen von unangenehmen Gegenständen Der Hund lernt hier seinen Vorteil bei richtiger Anwendung des Zwangs schnell
kennen:
1. durch die Begrenzung des Zwangs, der sofort stets aufhören muss, wenn das gewünschte Tun erreicht ist. 2. durch die Annehmlichkeit, die sich unbedingt an das Aufhören der Unannehmlichkeit
anschließen muss.
Wenn der Hund erst einmal erkannt hat, dass sich das unangenehme Tun in ein angenehmes Tun verwandelt, erwächst daraus ein erstaunlicher
Arbeitseifer. Der gute Ausbilder versucht Fehler seines Hundes vorauszusehen und zu verhindern, bevor er sie macht, damit er ihn loben kann und nicht zurechtweisen muß. Ist der Hund nervös, sollten die
Bewegungen langsam ausgeführt und mit ruhiger und tiefer Stimme geredet werden. Ist der Hund langsam, sollte sich der Hundeführer schneller bewegen und seiner Stimme einen begeisterten und mitreißenden Klang
verleihen.
7. Beginn der Ausbildung In welchem Alter des Hundes man eine Ausbildung beginnen sollte, kann nicht global beantwortet werden, da die Hunde schon von ihrer Rasse und von ihrem
Naturell her völlig verschieden sind.
Es macht daher keinen Sinn, den Beginn der Ausbildung auf einen bestimmten Zeitpunkt festzulegen. Die Erziehung beginnt aber schon bei Übernahme des Hundes.
Das beste Alter für den Beginn einer Ausbildung unserer Rottweiler dürfte ab 12 Monaten liegen. Nach herrschender Meinung sollte die Ausbildung allerdings nicht vor einem Jahr liegen. Eine spielerische
Vorbereitung auf die Ausbildung ist jedoch sinnvoll. Der Hundeführer muss in der Lage sein, die Veranlagungen und Eigenschaften sowie das Temperament seines Hundes richtig einzuschätzen.
Es ist allerdings auch darauf hinzuweisen, dass gerade der Beginn der Fährtenarbeit mit einem jungen Hund unter einem Jahr (ca. 3 – 6 Monate) sich positiv
auswirkt. Das spielerische Fährten ist quasi unabhängig vom Alter eines Hundes. Hier kann man auch ruhig Anfangsfährten 2 bis 3 mal legen und suchen lassen. Weder für den Hund noch für den Hundeführer darf Stress
aufgebaut werden!
Arbeiten unter Stress, sei es seitens des Hundes oder auch des Hundeführers, kann niemals d. h. weder in der Fährte, in der Unterordnung oder im
Schutzdienst zu optimalen Ergebnissen führen. Im Prinzip hat die Ausbildung schon mit der Förderung des Welpen im Wurf, mit der richtigen Haltung in den ersten Wochen und mit der Vorbereitung des Junghundes
begonnen (siehe Aufzucht und Entwicklungsphasen der Welpen).
Mit der Ausbildung in der Nasenarbeit kann man früh beginnen. Hierfür gibt es verschiedene Methoden, so z. B. der Aufbau mit Futterbrocken oder der
Führersuche.
Hat aber ein Junghund schon einige Nasenarbeit mit Erfolg hinter sich gebracht und ist schon 4 – 5 Monate alt, so ist es angebracht, nun zur Fährtenarbeit
im Geschirr oder an der langen Leine überzugehen. Hunde, die so früh auf die Fährte kommen, zeigen zeitlebens eine kaum zu glaubende Suchfreudigkeit.
Im Gegensatz zur Nasenarbeit wäre es jetzt aber noch zu früh, den Hund Schutzdienst machen zu lassen. Dafür ist der 4 – 5 Monate alte Hund in jeder
Beziehung noch nicht reif genug.
Wenn wir es mit unerfahrenen Hundeführern zu tun haben, sollten wir auch jetzt noch die Unterordnung zurückstellen. Hiermit ist das Üben der entsprechenden
Übungsprogramme nach der PO (Prüfungsordnung) auf Perfektion gemeint. Es kann dabei allzu schnell passieren, dass wir zu weit gehen und den jungen Hund überfordern. Das Ergebnis ist dann ein Hund, der nie mehr Lust
am Gehorsam haben wird und sich stets nur widerwillig fügt. Fangen wir damit erst bei einem Alter von einem Jahr an, wirken sich unsere Fehler bedeutend weniger schlimm aus.
Es ist immer gut, mit Ausbildungsteilen frühzeitig anzufangen, die der Eignung und dem Entwicklungsstand des Hundes entsprechen. Es gibt keinen
Grund, mit einem lauffreudigen und daher bewegungsbedürftigen Hund mit einer Arbeit, die dieser Anlage entspricht, nicht früh zu beginnen. Dabei versteht sich von selbst, dass niemals mit mehreren Dingen
gleichzeitig angefangen werden darf!
Jeder Hundeführer muss sich genau überlegen – vom Ausbildungswart geführt und unterstützt – was für seinen Hund und ihn selbst das Richtige ist und was
nicht. Hier ist das Können des Hundeführers von großer Wichtigkeit.
Zuerst sollte der Hundeführer geschult werden und dann erst der Hund!
Eine wichtige Voraussetzung dabei ist, dass ein Ausbildungswart vorhanden ist, der mit der Ausbildungstechnik bestens vertraut ist. Die
Einstellung des Hundesführers zu seinem Hund ist aufgrund der Andersartigkeit von Mensch und Hund nicht wie das Verhältnis Lehrer – Schüler zu sehen und kann auch nicht so angewandt werden.
Es geht bei der Ausbildung hauptsächlich darum, sich mit einem andersartigen komplizierten Partner zu verständigen. Dies setzt Einsicht in sein Verhalten
aber auch die entsprechende Einstellung in unserem Verhalten voraus.
Eine völlig falsche Einstellung hat man, wenn man sich als Hundeführer bei Bestehen einer Prüfung für den größten hält, jedoch bei Nichtbestehen den Hund als den Schuldigen dafür hinstellt!
Der Hund macht keine Fehler – es sind die Fehler des Hundeführers während der Ausbildung, die wir bei dem Hund sehen. Es gibt verschieden begabte Hunde.
Es hängt stets vom Ausbilder ab, wie die unterschiedlichen Begabungen genutzt werden. Ein geschickter Hundeführer holt aus einem durchschnittlich begabten Hund durchschnittliche Leistungen heraus, während ein
ungeschickter Hundeführer auch mit dem begabtesten Hund keine befriedigenden Leistungen erzielt.
Die richtige Einstellung zum Partner Hund ist:
Was auch immer geschieht – der Hundeführer
fühlt sich dafür verantwortlich und freut sich über das gemeinsam Erreichte.
8. Einwirkungen bei der Ausbildung des Hundes
Es gibt Einwirkungen bei der Ausbildung, die für den Hund unterstützend wirken, um das angestrebte Ausbildungsziel zu erreichen, es gibt aber
auch Einwirkungen, die für das Erreichen des Ausbildungsziels hemmend sind.
Eine Erziehung und Ausbildung ohne Strafe wird nicht möglich sein. Unter „Strafe“ versteht man die Einwirkung auf den Hund, die sofort erfolgt, wenn er
etwas „Verbotenes“ tut. Im Gegensatz zur Strafe gibt es die „Korrektur“, die eine im gegebenen Augenblick falsche Handlung des Hundes unterbinden soll.
Beispiel: Wenn der Hund beim Werfen eines Bringholzes nicht sitzen bleibt, sondern sofort dem Holz nachrennt, muss er korrigiert werden. Diese
Einwirkung muss so erfolgen, dass der Hund auf der eine Seite nicht sofort nachrennt, aber auf der anderen Seite die Lust zum Holen des Holzes nicht zu stark eingedämmt wird.
Das „Lob“ ist eine Einwirkung, die ein bestimmtes Verhalten des Hundes unterstützt und als eine gewünschte Handlung erscheinen lässt. Deshalb
ist das Lob in der Anwendung einfacher. Die Frage, wie man eine Ausbildung richtig aufbaut, hängt eng damit zusammen, wie der Hundeführer auf seinen Hund einwirkt. Er darf dabei nie vergessen, dass er als
Ausbilder sowohl für sich selbst als auch für seinen Hund denken muss.
Man baut die Abrichtung nur richtig auf, wenn
man den Hund erfahren lässt, dass das unangenehme Ausführen oder Unterlassen eines Verhaltens sein eigener Vorteil ist!
Der Begriff „Abrichtung“: Unter Berücksichtigung der Definition des Begriffs „Abrichtung“ kann man unterscheiden zwischen:
a) ursprüngliche Einwirkungen (unbedingte Reizerreger) als unmittelbare Erzeuger des jeweiligen Verhaltens und b) stellvertretende Einwirkungen (bedingte Reizerreger),
die erst dann wirksam werden, wenn eine gedächtnismäßige Verknüpfung zwischen ihnen und dem gewünschten Verhalten hergestellt ist.
Begriffserklärung:
Ursprüngliche Einwirkungen = Tritt auf die Leine Stellvertretende Einwirkungen = Hörzeichen Platz
a) Ursprüngliche Einwirkungen sind stets da notwendig, wo man vom Hund Verhaltensweisen verlangt, für welche ererbte Grundlagen fehlen oder nur Teilstücke vorhanden sind. Sie bleiben daher nicht auf reine Sinnesreize beschränkt. Der Hund wird z. B. durch Leinenruck, Druck auf die Kruppe oder Schulter oder Klaps zu einem bestimmten Verhalten gezwungen.
b) Stellvertretende Einwirkungen machen wir uns zunutze, weil etwas im Zusammenhang Erlerntes auch dann wieder vollständig zum
Vorschein kommt, wenn nur Teile davon abgerufen werden. Bei den stellvertretenden Einwirkungen handelt es sich stets um reine Sinnesreize und zwar im Regelfall um Gehör- oder Gesichtsreize.
Der Ausbilder sollte darauf achten, dass er im Umgang mit dem Hund immer den gleichen Wortschatz, die gleichen Befehle, die gleichen Tonlagen
und den gleichen Pfiff verwendet. Änderungen verwirren den Hund. Der Hund soll nur das tun, was uns angenehm oder nützlich und alles unterlassen, was uns unangenehm oder schädlich ist.
Beispiel: Der Hund hat keine Einsicht für Dinge, die uns nützlich oder schädlich sind.
Wollen wir z. B. ein Kleinkind und einen Hund fotografieren, so können wir beide Lebewesen nicht über den Sinn und den Zweck unseres Vorhabens
aufklären, da sie es nicht verstehen können. Beide verstehen das Wort „stillstehen“ nicht. Also müssen wir uns auf äußere Einwirkungen beschränken, zum Beispiel auf „Klappern“. Die Wirkung wird ein Aufmerken
hinsichtlich des Klapperns sein und dabei kommen die Bewegungen beider Lebewesen für einige Augenblicke zum Stillstand.
Durch Einwirkung auf den Gehörsinn setzen wir also einen Sinnesreiz und erreichen damit ein gewünschtes Verhalten. Auf solche äußeren
Einwirkungen haben wir uns beim Hund zu beschränken. Belehrungen über Sinn und Zweck des Verlangten sind unmöglich.
Das Endziel einer Hundeausbildung muss sein,
den Hund so einzuarbeiten, dass man ihn im Einzelfall ohne ursprüngliche Einwirkungen allein mit Hör- oder Sichtzeichen leiten kann!
Es dürfen keine unnötigen Kommandos gegeben werden, auf deren Ausführung nicht bestanden wird. Spazierengehen ist eine Sache – Ausbildung auf
dem Platz demgegenüber eine andere.
9. Zwang und Belobigung Es wird oft fälschlicherweise gefragt, ob man den Hund mit Liebe oder Zwang ausbilden soll. Ein gutes Herz ist sicherlich ein guter Helfer bei der
Ausbildung. Allein bringt es aber keine zuverlässigen Leistungen des Hundes zustande, ebenso keine milde Behandlung, denn wer vermenschlicht, der sieht ja überall „böswillige Widerstände“ beim Hund und wird diese
entsprechend „bestrafen“. (K. Most)
Der Hund sollte dem Menschen gehorchen, weil
er aus seinem Vertrauen heraus bereit ist, sich unterzuordnen und führig zu zeigen, und nicht, weil er Angst vor seinem Hundeführer hat.
Wenn ein Hund geschlagen wird, wird er seinem Peiniger unter Umständen gehorchen, weil er sich fürchtet. Es kann jedoch Monate dauern, bis der
Hundeführer sein Vertrauen zurückgewonnen hat. Die Grundmethoden der Ausbildung laufen parallel zum Verhältnis Lob und Zwang.
Es kann keine Frage darüber bestehen, dass es in der Hundeausbildung weder nur Zwang, noch ausschließlich Lob geben kann (obwohl uns letzteres einige
Hundepsychologen einreden wollen und ersteres und immer wieder vorgeworfen wird).
Die Grenzen zwischen Lob und Zwang müssen immer fließend sein. Man spricht von der sogenannten Kontrastmethode. Wichtig dabei ist, das stets das Individuum
Hund im Vordergrund steht und zu beachten ist. Desgleichen darf keine Schablone verwandt werden – ein Eingehen auf das einzelne Individuum ist zwingend.
Für die Ausbildung unserer Hunde brauchen wir
einen kühlen und wissenden Kopf sowie ein warmes Herz und viel Liebe zum Tier, damit der unentbehrliche Zwang richtig angewandt wird.
Die falsche Anwendung des Zwanges bewirkt
einen dauerhaften Schaden für die Ausbildung.
Lob, Güte, aber auch Konsequenz sind der Schlüssel zu jeder Ausbildung. Die Ausbildung basiert auf Vertrauen, Zuneigung und dem korrekten
Gebrauch der Leine. Auf die Reaktionen des Hundes innerhalb der Ausbildung – gerade, wenn vom Hund etwas verlangt wird, was er nicht möchte – ist sehr genau zu achten.
Vorsicht, wenn er vor seinem Hundeführer zurückweicht, meistens hat er aufgrund schlechter Erfahrungen Angst vor ihm!
Es gibt sehr anhängliche Hunde, die gegenüber ihren Führern sehr empfindsam (führerweich) reagieren. Bei diesen Hunden hat das Loben im
Wechselspiel der Pole Zwang und Lob absolute Priorität. Andernfalls könnte der in der Ausbildung so wichtige Kontakt zwischen Hundeführer und Hund empfindlich gestört werden. Es gibt aber auch eine Reihe von
Hunden, die unausgeglichen und gegenüber Fremden, aber auch gegen dem eigenen Führer, aggressiv sind. Diese Hunde müssen ohne Zweifel straffer geführt werden. Die Führer müssen diesen Hunden durch eine starke Hand
und durch Zwangsanwendung spüren lassen, dass sie im „Rudel Mensch/Hund“ die Leitposition einnehmen. Zuviel Lob könnte von solchen Hunden missverstanden werden, sie würden aus der Meutegemeinschaft ausbrechen.
Worüber man sich bei der Ausbildung im Klaren sein muss:
1. Wir können beim Hund nicht mit sittlichen Begriffen wie z. B. Strafe, Belohnung, Gehorsam, Ehre, Pflicht etc. rechnen.
2. Wir können nicht mit in die Zukunft weisenden Strafandrohungen arbeiten (z. B. „Komm her oder es setzt was!“)
3. Für das hundliche Verhalten sind die Gegensätze Annehmlichkeiten und Unannehmlichkeiten bestimmend und richtungsgebend.
Beispiel:
Niemand trinkt gern Schmutzwasser. Ein Verdurstender würde Schmutzwasser mit Freude trinken. Unangenehmes kann sich also unter bestimmten
Umständen in Angenehmes verwandeln.Andererseits ist es aber möglich, dass sich Angenehmes in Unangenehmes verwandelt. Wenn ein Kind gern mit dem Feuer spielt und es verbrennt sich dabei, wird es in Zukunft die
Finger davon lassen.
Man muss den Hund erfahren lassen, dass ein
bestimmtes Tun oder Lassen sein eigener Vorteil ist!
Der Hund lernt, dass korrektes Verhalten zu Lob und Annehmlichkeiten führt, während falsches Verhalten unweigerlich zu Unannehmlichkeiten führt
und weder Lob noch Leckerchen einbringt. Der Hund lernt also, dass gewisse Folgen erfreulich und andere unerfreulich sind. Z. B., dass die linke Seite des Hundeführers ihm Schutz bietet und ihm dort nichts
geschieht. Bei aller geforderter Konsequenz darf der Hund seinen Ausbilder nie mit unerfreulichen Erfahrungen in Zusammenhang bringen.
Beispiel: Es dürfte nichts Neues sein, dass es völlig falsch ist, einen Hund zurechtzuweisen, wenn er zu seinem Hundeführer zurück
kommt, selbst wenn er sich ungezogen benommen hat. Er glaubt sonst, er werde gescholten, weil er gekommen ist. Es muss ihm jedoch Freude machen, zu seinem Hundeführer zu kommen. Der Hundeführer sollte gerecht
aber bestimmt sein. Alle haben ihre schlechten Tage, auch Hunden geht es da nicht anders. Zwischen jeder Korrektur, jedem Lob und jedem Befehl sollte eine Pause gemacht werden. Ein nicht ordnungsgemäß
ausgeführter Befehl sollte nicht wiederholt werden, bevor der Hund korrigiert wurde.
Gerade während der Anfangsphase ist der Hund bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu loben. Später können die Abstände zwischen dem Lob ausgedehnt werden.
Es ist daran zu denken, dass der Hund nach jedem Befehl, sobald er die korrekte Stellung eingenommen hat, in angemessener Weise gelobt wird. So sollte z. B. jeder Hundeführer die Stellen kennen, an denen sein
Hund gern gekrault oder gestreichelt wird. Als Köder sollte er Leckerbissen auswählen, die seinem Hund auch wirklich schmecken.
10. Stadien der Ausbildung Wichtige Grundlagen für die Ausbildung:
Nachdem wir über Lob, Strafe und Korrektur einiges gelernt haben, widmen wir uns einem weiteren Schritt der Ausbildung.
Es ist falsch, einem Hund mehrere Übungen auf einmal beibringen zu wollen. Wie oft können wir im Übungsbetrieb erleben, dass schon mit dem Junghund
nach der Prüfungsordnung gearbeitet und an einem Trainingstag jede Übung der SchH I Stufe vorgenommen wird. Der Junghund ist dabei überfordert und so sollte man sich nicht wundern, wenn aus einem anfänglich
vielversprechenden Hund ein Neurotiker wird. Im Übrigen haben wir schon gelernt, wie ein Junghund aufgebaut werden soll.
Die Hundehalter verfahren aber in den allermeisten Fällen nicht so, wie es dargelegt wurde, obwohl es eine wesentliche Voraussetzung ist, dass der Junghund
viel lernt, erlebt und Erfahrungen sammeln kann, damit seine Lernfähigkeit entwickelt und gefestigt wird.
Selbstverständlich gilt das auch für alle angehenden Leistungshunde, denn jeder Hund hat ein Welpen- und Junghundalter. Diesem Alter entsprechend muss die
Beschäftigungs- und Aufbauarbeit durchgeführt werden. Wir müssen den Junghund Schritt für Schritt zu seinen Aufgaben führen – immer unter Berücksichtigung seines Alters. Lehren wir also jede Übung im
einzelnen. Achten wir aber stets darauf, dass wir prinzipiell in jeder Übung die stets gleichzeitig zu gebenden Hör- und Sichtzeichen von unseren Bewegungen trennen.
Bei der Arbeit mit dem Hund müssen die Bewegungen des Hundeführers stets gleichmäßig, ruhig und ohne Hektik erfolgen. Der Hundeführer muss sich bei
seiner Arbeit daran gewöhnen, folgerichtig vor zu gehen. Voreilige, nicht überdachte oder unentschlossene Handlungen sind zu vermeiden. Alle Maßnahmen, die in Verbindung mit dem Hund stehen, sind vorher gut zu
durchdenken.
Bei der Ausbildung ist grundsätzlich daran zu
denken, dass der Weg immer vom Einfachen zum Komplizierten geht.
Es käme keinem in den Sinn, von einem Erstklässler eine Abiturarbeit zu verlangen. Von einem Junghund Prüfungsarbeiten in der Schutzhundstufe
III zu verlangen, kann auf vielen Übungsplätzen täglich mit angesehen werden. Jeder Hundeführer braucht viel mehr Geduld, als er glaubt, wobei jeder Hund in der Regel weitaus mehr Geduld als sein
Hundeführer hat.
Die Arbeit darf aber trotzdem nicht schleppend sein, sondern muss straff und diszipliniert ausgeführt werden. Die Besonderheiten des einzelnen Hundes
(z. B. sein Nervenkostüm) sind in jedem Fall zu beachten. Der Hundeführer muss also so vorgehen, dass der Hund lebhaft mitarbeitet, denn durch langwierige und gleichmäßige Übungen ermüdet ein Tier sehr schnell.
Wichtig ist auch, dass der Hundeführer bei der Ausbildung immer konzentriert bei der Arbeit sein sollte und grundsätzlich seinen Hund anblickt, außer wenn
Korrekturen vorzunehmen sind. Dabei ist stets darauf zu achten, dass der Hund aufmerksam und konzentriert ist. Innerhalb des Teams Hund/Mensch muss gerade auf dem Übungsplatz eine entspannte Atmosphäre während
der Lektionen herrschen.
Wenn der Hundeführer merkt, dass er die Geduld
verliert, sollte er sofort aufhören, denn mit Ungeduld erreicht er nichts.
Die 3 Stadien bei der Ausbildung:
1. Stadium:
Der Hundeführer sollte nur kurze Lektionen abhalten: einmal oder zwei mal wenige Minuten reichen, dafür täglich und zwar immer am gleichen Ort und zur
gleichen Zeit. Zu allererst sollen einfache Reflexe, z. B. Sitz, Platz, Steh, gebildet werden. Hierbei ist aber unbedingt auf eine korrekte Ausführung zu achten. Hilfreich in diesem Stadium ist auch, wenn der
Hund und der Hundeführer möglichst wenig abgelenkt werden und sich damit der Erfolg möglichst schnell einstellt.
Der Hund lernt durch ständiges Wiederholen. Die besten Ergebnisse werden erzielt, wenn der Hund langsam und über eine lange Zeitspanne hinweg
lernt.
Er muss die Lektion gut gelernt haben, bevor die nächste in Angriff genommen wird. Erweist sich eine neue Lektion als zu schwierig, muss auf
eine leichtere zurückgegriffen werden. Der Hund findet zu Beginn Gefallen an der Ausbildung. Der Ausbilder sollte bedacht sein, dass dies so bleibt, sonst wird das Neue seinen Reiz bald verlieren. Die Übungen sind
abwechslungsreich zu gestalten, damit es für den Hund nicht langweilig wird.
2. Stadium:
Die im 1. Stadium erlernten Reflexe sind zu verbinden. Es kommt also hier darauf an, die bisher einzeln geübten Kommandos zu verbinden. Hinsichtlich der
Ablenkung und der sauberen Arbeit gilt das gleiche wie im 1. Stadium.
Die Fortschritte in der Ausbildung werden sich nicht gleich einstellen. Es gibt Zeiten des raschen Fortschritts, schwierige Zeiten und Zeiten, in denen
anscheinend überhaupt keine Fortschritte erzielt werden.
3. Stadium:
Die erlernten Verhaltensänderungen sind unter den verschiedenen Umweltbedingungen zu festigen.
Es kommt also darauf an, dass Hund und Hundeführer soviel Abwechslung und Ablenkung wie möglich vorfinden. Zwingend ist es, des öfteren das Übungsgelände
zu wechseln (Nachbarverein, aber auch Sportplatz oder Wiese). Auch Unterordnungsleistungen vom Hund zu verlangen, wenn andere Hunde ihre Schutzdienstarbeit zeigen, gehört ebenso dazu, wie Musik, Fahnen und andere
Menschen.
Gerade das 3. Stadium ist individuell zu gestalten, dabei sind die späteren Einsatz- möglichkeiten des Hundes (Schutzhund, Begleithund, Fährtenhund
etc.) zu berücksichtigen.
Das 3. Stadium ist bei der Ausbildung der
Gebrauchshunde nie abgeschlossen und kann beim ausgebildeten Hund als Training betrachtet werden!
Ein derartiges Training hat als Ziel
a) den Hund in guter Kondition zu halten b) den Leistungsstand zu festigen c) den Hund stets an die Umwelteinflüsse der Praxis zu
gewöhnen
Merke: Hört man auf, treibt man zurück!
Die dauerhafte Ausbildung unserer Gebrauchshunde ist wie ein Rudern gegen den Strom.
11. Ausbildung in Theorie und Praxis (Schema)
|

|
Klicken Sie hier
für ein grosses Bild!

|
|
|