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2. Theoretische Grundlagen
a) Vorbemerkungen:
Der Hund begleitet den Menschen als Haustier seit Jahrtausenden. Er verfügt über ein gutes Lernvermögen, doch fehlen ihm die biologischen
Voraussetzungen zur Einsicht und Erfassung des menschlichen Denkens und Verhaltens. Eine Ausbildung ist daher nur dann erfolgversprechend, wenn der Hund nicht vermenschlicht wird und die Eigenarten seines Wesens
stets berücksichtigt werden.
Für die Ausbildung und den Einsatz von Gebrauchshunden sind folgende Erkenntnisse von grundlegender Bedeutung:
Ein Hund ist weder in der Lage, den
begrifflichen Inhalt menschlicher Sprache zu verstehen, noch kann er die Hintergründe und Zusammenhänge menschlichen Handelns erfassen.
Sein Gehirn befähigt ihn aber über Gedächtnisleistungen, angenehme und unangenehme Erfahrungen im Zusammenhang mit Umweltreizen zu sammeln und zu
speichern, z. B. - durch menschliche Laute - durch menschliche Bewegungen - durch einprägsame Situationen und Vorkommnisse.
Aus diesen gespeicherten Erfahrungen heraus, d. h. aus der Erinnerung, können Hunde im Wiederholungsfalle dem entsprechenden Umweltreiz ein
spezifisches Verhalten zuordnen.
Sinn und Zweck eines Vorhabens sind mithin einem Hund nicht erklärbar. Ebenso sind in die Zukunft weisende Belobigungsversprechen oder Strafandrohungen sowie Maßnahmen für länger zurückliegendes Verhalten unsinnig.
Das Gefühlsleben des Hundes, d. h. das Erleben von Lust und Unlust, Schmerz und Freude im Zusammenhang mit bestimmten Umweltreizen, ist stark ausgeprägt.
Bisweilen führen nicht verarbeitete Erlebnisse zu Reaktionen außerhalb des Wachbewusstseins, z. B. zu Träumen.
Menschliche Moralauffassungen wie GUT und
BÖSE, Schuldgefühle oder gar Skrupel und Reue, kennt der Hund nicht.
Er kann lediglich im Sinne seines individuellen Erlebens zwischen für ihn Angenehmes und für ihn Unangenehmes unterscheiden.
b) Begriffsbestimmungen:
Um das Wesen eines Tieres beschreiben zu können, benötigt man einige Begriffe aus folgenden Gebieten
Anatomie = Körperbau und Organe Psychologie = höhere Nerventätigkeit Physiologie = Ablauf normaler Körperfunktionen
Ethnologie = Verhalten der Lebewesen
Einige erforderliche Begriffe mit Kurzbeschreibung:
Affekt Gemütserregung, hervorgerufen durch innerlich oder äußerlich bedingte Erlebnisse Instinktansteckung Stimmungsübertragung
Erbkoordination Angeborene stammesgeschichtliche Umweltanpassung, (Instinktbewegung) festgelegt in welcher Situation sie auftreten können. d. h. welche Reize sie auslösen können und
welche nicht Reflexe Antwortreaktionen auf bedingte oder unbedingte Reize. Unbedingte Reize Angeborene Reaktionen des Organismus auf innere und äußere Reize Bedingte Reflexe Erworbene
oder anerzogene Reaktionen auf Reize aus der Umwelt, die der besseren Anpassung dienen Anatomie Lehre von der Form und dem Bau des Körpers Aggressivität Angriffslust; Bereitschaft, auf äußeres bösartig zu reagieren
AAM Angeborener auslösender Mechanismus EAM Erworbener auslösender Mechanismus Biologie Lehre von den normalen (physiologischen) Lebensvorgängen Ethnologie Lehre vom Verhalten der Lebewesen
Gefühl Erleben von Lust und Unlust in Zusammenhang mit bestimmten Umwelteinflüssen aufgrund nervaler Prozesse im Gehirn Individuum Einzelwesen, Einzelpersönlichkeit
Instinkt Angeborener Steuermechanismus des Verhaltens, höhere (besondere) Nerventätigkeit, eine psychische Anlage
3. Wesensgrundlagen
b) Das Wesen
Das Wesen ist die Gesamtheit aller Psycho-Physischen Anlagen und Eigenschaften
eines Lebewesens, die sein Umweltverhalten bestimmen.
Es stellt sich dar als Summe aus Konstitution und Kondition.
Merke:
Anlagen = Ererbtes
Eigenschaften = Ererbtes plus Erworbenes
Der Begriff „Wesen“ (Philosophisch: das Wesentliche, die Eigenart, das Sosein eines Dinges) wird definiert als:
Die Gesamtheit aller angeborenen und erworbenen körperlichen und seelischen Anlagen, Eigenschaften und Fähigkeiten, die sein Verhalten
bestimmen, gestalten und regeln.
Das Wesen ist die Grundlage des art- und individualtypischen Umweltverhaltens:
Das Wesen wird maßgeblich beeinflusst vom Bau und der Leistungsfähigkeit
- des Bewegungsapparates, - der inneren Organe
- der Sinnesorgane, - des Nervensystems (speziell Gehirn).
Weiterhin wichtig ist die psychische Entwicklungsstufe und die sich hieraus ergebenden höheren psychischen Fähigkeiten sowie der individuell
erworbene Erfahrungsschatz.
Unter dem Begriff „Wesen“ ist also nicht nur die Art des Verhaltens bei der Mannarbeit, sondern sein gesamtes Verhalten zu verstehen. (Mit dem
Begriff wird häufig falsch umgegangen.)
Der Charakter – das Wesen – geht auf Erbanlagen zurück, die sich dann durch verschiedene Umwelteinflüsse festigen, unterdrücken oder verwischen können.
Der Hund wird also innerhalb seines Lebens geformt. Das spätere Erscheinungsbild des Hundes wird bereits in der frühesten Jugend entscheidend beeinflusst
(Prägungsphasen).
Aufgabe des Züchters und des späteren Hundehalters muss es daher sein, vorhandene Erbanlagen so günstig wie möglich zu beeinflussen.
Mit dem „Wesen des Hundes“ ist sein Verhalten in der gegebenen Umwelt gemeint.
Zeigt ein Hund eine gewisse Sicherheit und wenig Angst gegenüber Lärm und optischen Erscheinungen, aber auch gegen Menschen und Artgenossen, so spricht man
von einem wesenssicheren Hund. Bei einem nervösen und ängstlichen Hund gegenüber diesen Umweltfaktoren spricht man von einem wesensschwachen Hund.
b) Die Konstitution
Die Konstitution ist die unveränderliche Gesamtheit aller Psycho-Physischen Anlagen eines Lebewesens.
Eine dies betreffende Typeneinteilung wurde vorgenommen
- durch Pawlow aufgrund der psychischen Anlagen
- durch Kretschmer aufgrund der physischen Anlagen.
Die Verfassung des Körpers äußert sich vor allem in der Reaktionsbereitschaft des Individuums, die seine Leistungs- und Anpassungsfähigkeit
bedingt.
c) Die Kondition
Die Kondition ist die erworbene, stets wechselnde, durch Umwelteinflüsse formbare und durch die Konstitution vorgegebene
augenblickliche psycho-physische Verfassung eines Lebewesens. Es ist zwischen physischer und psychischer Kondition zu unterscheiden.
d) Die Umwelteinflüss
Die Umwelteinflüsse sind Belastungsreize (Haltung, Fütterung, Ausbildung, Krankheit), die bei ihrer Einwirkung auf ein Lebewesen bestimmte
Reaktionen auslösen.
Diese Reaktionen sind wiederum abhängig von der Konstitution und der Kondition des betroffenen Lebewesens.
e) Psychische Eigenschaften
Psychische Eigenschaften sind untrennbar an die funktionelle Einheit des Nervensystems gekoppelt.
Es ist zu unterscheiden zwischen einfachen Nerventätigkeiten und besonderen Nerventätigkeiten.
Einfache Nerventätigkeiten sind nieder organisierte nervale Vorgänge, die die einfachen Beziehungen zur Umwelt herstellen
(Verdauung, Atmung, Schreck etc.).
Besondere Nerventätigkeiten sind höher organisierte nervale Vorgänge, die eine besondere Beziehung zur Umwelt zustande bringen
(Pflichtverhalten, Abwehrverhalten, Verhalten infolge Ausbildung und Krankheit, Geselligkeitsverhalten etc.).
Die psychischen Eigenschaften
- Temperament, - Sinnesleistungen, - Instinkte/Triebe
sind mithin vorrangig die aus besonderen Nerventätigkeiten entstehenden Wechselbeziehungen zur Umwelt, die das äußere Verhalten eines Individuums bestimmen.
Sie sind die Summe aus der psychischen Konstitution (als Gesamtheit aller psychischen Anlagen) und aus der psychischen Kondition (als
Gesamtheit aller psychischen Eigenschaften).
f) Temperament
Als Temperament wird die persönliche Reaktionsform eines Individuums auf Umweltreize bezeichnet.
Das Temperament äußert sich in der psychischen Beweglichkeit und Reaktions-
intensität auf die verschiedenen Umweltreize (z. B. Wildwitterung – Jagdtrieb).
Die Reaktionsintensität ist Bestandteil des sogenannten Temperaments. Je schneller ein Hund auf einen Umweltreiz, zu dem er in Beziehung steht, reagiert,
um so reaktionsintensiver, d. h. um so temperamentvoller ist sein Wesen.
Nach Stärke, Ausgeglichenheit und Beweglichkeit dieser an die ererbten psychischen Anlagen gekoppelten Reaktionen unterscheidet Pawlow folgende Konstitutionstypen:
Nerven/Konstitutionstypen nach Pawlow:
Choleriker
Ungezügelt, unausgeglichen, selbstbewusst (stark), beweglich und reaktionsschnell (als Dienst- und Gebrauchshund bzw. Schutzhund weniger geeignet)
Sanguiniker
Ausgeglichen, beherrscht, in sich ruhend (stark), äußerst beweglich und reaktionsschnell (als Dienst- und Gebrauchshund bzw. Schutzhund ideal)
Phlegmatiker
Ausgeglichen, ruhig, wenig beweglich und wenig reaktionsschnell (als Dienst- und Gebrauchshund bzw. Schutzhund wenig geeignet)
Melancholiker
Ängstlich, verschlossen, schwach und wenig leistungsfähig (als Dienst- und Gebrauchshund bzw. Schutzhund nicht geeignet)
Diese Unterscheidungen sind rein schematischer Art. Die meisten Individuen stellen Mischtypen dar.
g) Ausdauer
Ausdauer ist die Eigenschaft, Triebhandlungen (z. B. Fährten, ohne sich ablenken zu lassen und ohne zu ermüden, zu Ende zu führen.
Hinzu kommt die Fähigkeit, körperliche oder psychische Anstrengungen (z. B. auf dem Übungsplatz) ohne offensichtliche Ermüdungserscheinungen durchzustehen.
h) Höhere psychische Eigenschaften
Unter dem Begriff „höhere psychische Eigenschaften“ versteht man das Lernvermögen und die Assoziations- (Vorstellungsverknüpfung) und
Kombinationsbegabung der Lebewesen, also die Fähigkeit, lust- oder unlustbetonte Erinnerungen früherer Erlebnisse mit späteren, entsprechenden Sinneswahrnehmungen zu verknüpfen, Kausalzusammenhänge (Verhalten
zwischen Lob und Tadel) zu erfassen und dementsprechend das Verhalten zu gestalten.
i) Sinnesleistungen Sinnesorgane befähigen ein Lebewesen, Umweltreize wahrzunehmen.
Aufgrund ihres Baues und ihrer Funktion sind sie Organe des Nervensystems und werden daher bei Anatomie und Physiologie abgehandelt. Die
Fähigkeit, Umweltreize wahrzunehmen und sie als Sinnesempfindungen dem Hirn zuzuleiten – ggf. zur Herstellung der den Umweltreizen angepassten und für das Lebewesen zweckmäßigen Reaktionen – wird als Sinnesleistungen bezeichnet.
Zu den umstrittenen Sinnesleistungen gehören
Riechen, Sehen, Hören, Tasten, Schmecken, Gleichgewichtshalten
Inwieweit das Schmerzempfinden eine weiter selbständige Sinnesleistung darstellt, ist bis heute noch nicht geklärt.
Der Schmerz muss als Schutz des Lebewesens vor dem Andauern schädlicher Einwirkungen durch die Umwelt aufgefasst werden. Er stellt sich in
verschiedenen Empfindungsarten (psychisch und physisch) und in individuell erheblich variierender Stärke dar. Eine Unterscheidung in schmerzempfindliche und schmerzunempfindliche Individuen ist mithin möglich. Das
Fehlen jeglichen Schmerzempfindens ist eine seltene angeborene Besonderheit, die für das betroffene Lebewesen verheerende Folgen haben kann.
Die Fähigkeit des Individuums, sich nicht durch Schmerzempfindungen nachhaltig beeindrucken zu lassen, wird als Härte bezeichnet.
j) Instinkte und Triebe Instinkte und Triebe sind psychische Eigenschaften, die sich als besondere Nerventätigkeiten in Form von
angeborenen und dauernd auslösbaren Reflexen als Reaktionen auf mannigfaltige Umweltreize darstellen. Sie sind unabdingbare Voraussetzungen für die Wechselbeziehung zwischen Lebewesen und Umwelt und somit
Garanten der Art- und Selbsterhaltung.
Funktionsablauf: Umweltreiz / Sinnesleistung / Reflex / Reaktion
Ein Reiz löst primär eine Reaktionsbereitschaft aus. Bei Fortdauer dieses Reizes erwächst aus dieser Bereitschaft als Lebenstätigkeit ein dem
Reiz angepasstes Verhalten, dessen individuell unterschiedliche Zielstrebigkeit der Trieb und dessen artspezifische Zielrichtung der Instinkt ist.
INSTINKT = STEUER TRIEB = MOTOR
Das zum Erreichen dieses vorgegebenen Zieles gezeigte individuelle Verhaltens-
muster ist jedoch in erheblichem Maße umweltbedingt und wird durch einen nie endenden Lernprozess vervollkommnet.
Instinkte sind die angeborenen, im sogenannten Erbgedächtnis verankerten Regulationsmechanismen, die den Tieren ohne vorheriges Lernen zeigen, wie sie ihre verschiedenen Triebe und psychischen Spannungen in arttypischer Weise befriedigen, beziehungsweise lösen können.
Die Instinkte sorgen dafür, dass der Hund sich seinen Trieben folgend eben wie ein Hund verhält.
Die Verhaltensweisen, mit denen ein Tier, ohne vorherige Erfahrungen machen zu müssen, mit seiner Umwelt in Beziehung tritt, nennt man
Instinkthandlungen.
Z. B. „weiß“ eine Mutterhündin auch bei der ersten Geburt, dass und wie sie ihre Neugeborenen durch Abbeißen der Nabelschnur und Trockenlecken
zu behandeln hat. Sie legt sich in die richtige Position, damit die noch schwachen und völlig blinden Jungen durch – ebenfalls angeborene (Instinkte) – Suchbewegungen die mütterliche Milchquelle finden können.
Allgemein kann man sagen:
Je höher ein Tier in der stammesgeschichtlichen Entwicklungsreihe steht, desto weniger meistert es die Auseinandersetzung mit seiner Umwelt
nur auf Instinktbasis allein.
In immer höheren Maße spielen auch verschiedene Lernvorgänge und einfache Intelligenzleistungen eine wesentliche Rolle.
Triebe sind zunächst unbewusste, biologisch zweckmäßige Drangerlebnisse und Strebungen, die im Dienste wichtiger Lebensfunktionen stehen und sowohl mit körperlichen wie mit seelischen Vorgängen verbunden sind.
Als vitale Triebkräfte setzen sie das menschliche und tierliche Handeln in Gang und lösen damit primär das Umweltverhalten aus.
Trieb = Angeborenes Wollen
Instinkt = Angeborenes Können (Know how)
Mit dem Begriff „Triebe“ bezeichnet man in der Verhaltensbiologie heute die Bereitschaft eines Tieres zu einem bestimmten Verhalten.
Triebe kann man auch mit dem Begriff Motivation gleichsetzen.
Die Triebbestimmung von gewissen Lebensvorgängen in den Gehirnzellen ist abhängig von der Zusammenarbeit mehrerer Hormondrüsen und verschiedenen
Innenfaktoren (Innenreiz, z. B. Hunger bei leerem Magen). Triebe werden über die Sinnesorgane durch Schlüsselreize und den Innenfaktoren gelenkt.
4. Triebarten
a) Selbsterhaltungstriebe Ernährungstriebe: Stöbertrieb, Spürtrieb, Jagdtrieb, Beutetrieb, Bring- und Apportiertrieb,
Bewegungstrieb, Fluchttrieb, Spieltrieb, Selbstverteidigungstrieb
b) Arterhaltungstriebe Geschlechts- oder Fortpflanzungstrieb, Pflegetrieb
c) Mischform Meutegemeinschaft, soziale Rangordnung
d) Geselligkeitstriebe Meutetrieb, Heimkehrtrieb, Wach- und Hütetrieb, Geltungstrieb, Unterwerfungstrieb, Führigkeit, Kampftrieb,
Wehrtrieb, Schutztrieb
5. Triebbeschreibungen
a) Selbsterhaltungstriebe
Ernährungstrieb Unter diesem Begriff werden eine Vielzahl von Trieben gleicher Zielrichtungen zusammengefasst.
Der Stöbertrieb ermöglicht das Aufnehmen und Verfolgen einer Fährte aus der Luft unter Benutzung von Augen und Ohr mit hoher Nase.
Stöbertrieb ist also die Eigenschaft, unter Mitbenutzung von Auge und Ohr und ohne Beachtung von Bodenfährten, Wild- oder Menschenwitterung aus der Luft zu entnehmen und sie mit hoch getragener Nase freudig und
ausdauernd zu verfolgen.
Der Spürtrieb ist die Bereitschaft, eine Wild- oder Menschenfährte aufzunehmen und das Bestreben, die Fährte mit tiefer Nase freudig
und ausdauernd zu verfolgen. Er ermöglicht das Aufnehmen und Verfolgen einer Fährte mit tiefer Nase.
Der Jagdtrieb ermöglicht dem Hund, geruchlich, akustisch und /oder optisch wahrgenommene Beute mit Hilfe des Spür- und Stöbertriebes aufzufinden und zu verfolgen. Der Jagdtrieb ist ein angeborener, ursprünglich im Ernährungstrieb wurzelnder Drang, geruchlich oder optisch wahrgenommenes Wild aufzusuchen, zu verfolgen und, wenn möglich, zu reißen und abzuwürgen.
Der Beutetrieb veranlasst den Hund, das aufgespürte verfolgte Tier zu überwältigen, d. h. zu erbeuten. Unter Beutetrieb versteht man
das Bestreben, Wild nicht nur zu jagen, sondern auch Beute zu machen, d. h. das Beuteobjekt zu fassen, zu töten und seinen eigenen Hunger oder auch den der Jungen zu stillen. Er äußert sich also im Verfolgen,
Anspringen, Zubeißen, Niederreißen, Niederzerren, Totschütteln, Beutereißen und Wegtragen.
Der Bring- und Apportiertrieb veranlasst den Hund, die erlegte Beute abzutransportieren, zu verstecken, zu vergraben und/oder seinen
Jungen zu bringen.
Bewegungstrieb Der Bewegungstrieb äußert sich besonders bei jungen Hunden im Spieltrieb. Beim Wildhund findet dieser Trieb im Kampf
ums Dasein seine Erfüllung. Der Haushund, dem dieser Kampf fremd ist, kann den Bewegungsdrang durch vom Menschen gesteuerte Betätigungen (Gebrauchshund) abbauen. Er bleibt aber, oft bis ins hohe Alter, verspielt.
Dieser Trieb wurzelt in der konstitutionellen (Temperament, Muskelkraftgefühl) sowie der konditionellen (Gesundheit, Training) Verfassung.
Fluchttrieb Dieser Trieb ist bei Caniden stark ausgeprägt. Er äußert sich in Vorsicht, Zurückhaltung und Misstrauen allen Unbekannten gegenüber
und gipfelt in dem Drang, sich scheinbaren und wirklichen Gefahren durch Flucht zu entziehen, sobald die Fluchtdistanz verkürzt wird.
Als Fluchtdistanz wird diejenige Entfernung zwischen Gefahrenquelle und bedrohtem Individuum bezeichnet, auf deren Verkürzung das betroffene Lebewesen im Normalfall mit Flucht reagiert.
Der Fluchttrieb ist eine der offensichtlichsten, allen Lebewesen eigenen Ausdrucksformen des Selbsterhaltungstriebs und äußert sich in dem unwiderstehlichen Drang, sich einer wirklichen oder scheinbaren Gefahr
durch Flucht oder arttypisches Fluchtverhalten (z. B. sich verstecken, sich totstellen) zu entziehen.
Spieltrieb Der Spieltrieb ist dem Bewegungs- und Betätigungstrieb verwandt, meist nur in der Jugend ausgeprägt vorhanden.
Selbstverteidigungstrieb Der Selbstverteidigungstrieb erwächst als Notwehrreaktion aus dem Fluchttrieb, wenn nach der Verkürzung der
Fluchtdistanz eine Flucht nicht mehr möglich ist und der Hund sich unmittelbar bedroht fühlt. Häufiges Bedrohtwerden bei der Abrichtung ohne Fluchtmöglichkeit kann bei den betroffenen Hunden zu einem generell
feindselig-aggressiven Umweltverhalten führen, das ihrem wahren Wesen nicht entspricht. Dieses Verhalten bezeichnet man als unerwünschte oder scheinbare Schärfe.
Der Selbstverteidigungstrieb ist die dramatische Ausdrucksform des Selbsterhaltungstriebes und wurzelt letztendlich in der Angst. Es wird in der Regel
ausgelöst, wenn die kritische Distanz unterschritten wird (Scheinschärfe oder angstbedingte bzw. unerwünschte Schärfe).
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